Kopflast.
Minimieren.
Aufteilen.
Gedankenknoten entwirren.
Es sind zu viele.
Ideen.
Kreativität pur.
Krankmachend fast.
In den Wahnsinn treibend.
Symbolisch betrachtet.
WAS ist WICHTIG?
Die Frage seit Jahren.
Des Lebens Unterhalt verdienen mit der Kreativität, sagt der Verstand.
Spaß haben, spielen und Kopfideen aus dem Dunkel befreien, sagt die Seele.
Sie streiten miteinander, die beiden.
Verstand versus Seele.
Vernunft versus Bauch.
Ich kenne den Sieger.
Er triumphiert.

Frag nicht, wie ich mich manchmal dabei fühle …

Bevor wir ins Elsass an den Ausgangspunkt unserer Reise zurückkehren, wandere ich in Gedanken 3 Jahre zurück. Warum, das werden Sie gleich erfahren und Sie werden genau so staunen wie ich als Betroffene damals staunte.

Wer gerne ab und an die Zwischenwelten (die autre monde) besucht oder gegenüber Dingen, die „zwischen Himmel und Erde“ geschehen, aufgeschlossen ist, kennt sicher auch die Begleiter in diesen Welten, die Krafttiere. Ich liebe sie, diese Zwischenwelten, und bin mit der Gabe gesegnet, jederzeit ohne viel Brimborium und Trommelrituale oder ‘Sonnentänze’ ;) abzutauchen. Und dort treffe ich mein Krafttier. Auch Herr Federwelt hat diese Gabe, vor allem, wenn er kreativ arbeitet und über Kompositonen oder Arrangements sitzt.

„Was ist dein Krafttier“, fragte ich eines Tages. Wir hatten nie über autre monde oder Schamanismus expressis verbis gesprochen. Wir lebten es einfach.

„Leo.“ Die Antwort kam spontan und wie aus der Pistole geschossen.

Leo? Du meinst den Löwen? Ich war sehr verwundert, ist Herr Federwelt doch wie ich ein passionierter Hunde- und Bärenmensch.

„Klar. Was sonst?“

Gut. Was sonst. Man soll das ja nicht hinterfragen, sondern einfach (zu)lassen.

Eines Morgens, viele Monate nach meiner Frage, wir tranken gerade unseren ersten Espresso, sah Herr Federwelt mich nachdenklich an und sagte: „Ich bin Leo.“

„Hm?“

Er nickte, dann sprudelte es aus ihm heraus. „Ich heiße Léon d.B. und ich habe am Heiligabend Geburtstag.“

„Hä?“ Ich fand das sehr komisch. „Du heißt P. und hast am 16.9. Geburtstag. Wach auf!“

„Non“, meinte Herr Federwelt, dessen schulfranzösisch, gesprochen in bewussten Zustand, mehr als grottig ist, plötzlich in einer ganz anderen Sprache. „Je m’appelle Léon …“ Er wechselte ins Elsässische „… und Grandmère *at immer gesagt, isch *abe mit dem Chrischtkindle Geburtstag. Deshalb *abe isch zu *eiligabend zwei Mal Bescherung bekommen.“

Ja, so fing es an … und inzwischen steht auch fest, dass diese Erkenntnis an jenem Morgen der Wahrheit entspricht.

Und wissen Sie was? Über Nacht verjüngte sich Herr Federwelt auch gleich noch um vier Jahre. In Großbuchstaben. VIER JAHRE !!! Nicht nur sein amtlich verfügtes Geburtsdatum ist falsch, nein, auch das Geburtsjahr.

Nun, sagen Sie selbst, klingt das nicht bescheuert?

Das muss nun doch erklärt werden nach vielen Rückfragen, bevor ich weiter erzähle. Wobei ich gleich anmerken möchte, dass es mit einem kontinuierlichen Erzählen sicher nicht funktionieren wird. Es gibt Tage, an denen die Freude über dieses Wunder groß ist, es gibt aber auch Tage, da tut all das, was wir erleben, nur eines: entsetzlich weh. Warum, das werden Sie, so Sie denn die Ausdauer haben werden, hier mitzulesen und das Ganze nicht als Verrücktheit abzutun, sicher bald verstehen.

Und ja, es klingt alles total bescheuert und die wenigen Menschen, denen wir uns anvertraut haben, haben uns mit ganz wenigen Ausnahmen angesehen, als tickten wir nicht mehr richtig. Daher wird der Arbeitstitel dieses Berichts „Bescheuert“ heißen und dabei bleibt es auch. Ehrlich gesagt, es gab und gibt Momente, an denen ich selbst an meinem Verstand zweifelte und zweifle, wären da nicht kleine handfeste Beweise dafür, dass das Bescheuerte eben nur bescheuert klingt, es aber mitnichten ist.

Klingt bescheuert, nicht wahr?

Längerfristige Leser der damals andernorts angesiedelten Federwelt dürften sich noch daran erinnern, dass Madame Federwelt  anfänglich geruhten, gepflegt und lauthals zu jammern und zu jaulen. Wegen Herrn Federwelts vor über 3 Jahren unverschuldet erlittenen Verkehrsunfall mit fatalen Folgen, seiner Arbeitsfähigkeit  („Wozu braucht ein Musiker zwei Hände?“, fragte die Versicherung des Unfallgegners) und die Zahlungsunwilligkeit aller beteiligten Versicherungen betreffend. Nein, das soll hier nicht aufgewärmt werden. Die Versicherungen haben noch immer nicht bezahlt und wie wir bis heute überlebten, ist ein Wunder. Doch das ist nicht das Thema, denn irgendwie geht’s immer weiter und Ihr, Ihr lieben Versicherungen, dürft noch zahlen. Wir geben nicht auf. Punkt.

Aber alles Böse hat bekanntlich auch etwas Gutes. Im Falle von Herrn Federwelt erwies und erweist sich dies zunehmend als etwas sehrsehr Gutes, was natürlich auch mein Herz erfreut. Herr Federwelt nämlich hatte keine Erinnerungen mehr an seine Kindheit. Herr Federwelt war traumatisiert nach einem Unfall, bei dem er als Kind seine Familie verlor. Seine Familie, seine Heimat, sein Land und seine frz. Muttersprache. Gar nicht schön.

Doch nun kommen sie zurück, jeden Tag etwas mehr. Denn dank des Autounfalls vor 3 Jahren gelang es Herrn Federwelt, sich des Unfalls damals, als er Kind war, erst ganz schwach, dann immer stärker zu erinnern. Und neulich, als ich mich hier verabschiedete, hatten wir endlich den Mut gefasst, einem Teil dieser Erinnerungen hinterher zu fahren. Ziel war eine kleine, sehr romantisch schöne Stadt im Elsass und ein Tal in den Vogesen. Und hier begann unsere kleine unfreiwillige BESCHEUERTE Tour de France, denn unser Weg der Erinnerungen führte uns weiter in ein Tal im Var (Provence), wir standen am Strand von St. Marie de la Mèr, von da ging es zurück nach Paris zu einem Haus, nein, eigentlich war es eher ein Palais nahe eines sehr bekannten Parks. Überall standen wir eigentlich nur draußen vor der Tür und ließen uns von immer neuen  Erinnerungen leiten. Eine spannende Exkursion. Ja, und von hier hätte uns unser Weg nach einem Besuch eines angesehenen Pariser Theaters beinahe wieder zurück an die Cote d’Azur geführt, doch irgendwie war es der Reizüberflutung genug.

Wieder zu Hause verbrachten wir jede freie Minute mit der Nachbearbeitung unserer Recherchen und vor allem mit dem „Verdauen“ des Gesehenen und des mysteriösen Nicht-Gesehenen – und in unseren Köpfen wirbeln Wirbelstürme.

Bescheuert? Ja, das klingt bescheuert und doch ist es wahr. Schreibt nicht das Leben die besten Geschichten?

Doch zurück an den Anfang. Beginnen wir mit der ersten Station unserer Reise und den verrückten Erlebnissen vor Ort. Reisen wir noch einmal in Gedanken ins Elsass. Demnächst hier im Blog.

Fortsetzung folgt nach und nach …

Bescheuert ist, wenn man partout nicht mehr weiß, wie gewisse Passwörter und/oder Benutzernamen lauten.

Bescheuert ist, wenn der Kopf so voll mit keine Panik, hier wird nicht gejammert Eindrücken, Ideen, Verrücktheiten ist, dass sich dieses Kopfsammelsurium zu einem Matschebrei vermengt und klares Denken ausschließt.

Bescheuert bin ich zur Zeit ein wenig waren die letzten Wochen, verrückt, übersinnlich, unglaubhaft und zuweilen so abgedreht, dass der geneigte Leser des öfteren ‘die Olle spinnt’ denken könnte, würde ich alles hier notieren. Ob ich trotzdem darüber schreiben oder besser weiter schweigen oder eine kleine, unwahre rosarotzuckersüße Federscheinwelt hier präsentieren soll? Nach zu langem Nachdenken besinne ich mich nun auf mein Blogcredo „Authentizität“. Frei Schnauze und frisch angerichtet, so, wie es das Leben eben spielt.

Und da müssen Sie jetzt, ich meine, wenn Sie demnächst dennoch dieses Blog anklicken, durch!

Fortsetzung folgt …

Entgegen aller Unkenrufe der Meteorologen zum Trotz war das Wetter heute herrrrrrlich – sonnig, warm, na ja, auch kreislaufig nordwindig, aber egal – und die Sicht war phänomenal klar. Ein Herbsttraum der besonderen Güte, fand ich. Und das fanden Herr Federwelt und der Bär auch, keiner von uns dreien hatte Lust zum Arbeiten (Herr Federwelt und ich) oder zum Zerfetzen von Socken, Zeitungen und Papierkorbinhalten (der Bär) oder zum Zimmerhocken (wir alle drei) und irgendwie fanden wir uns plötzlich nach einer längeren Wanderung oben am Berg wieder. Und da standen wir und starrten fasziniert hinunter auf die Rheinebene. Vor uns die bunten Farbtupfer in den Bäumen, noch weiter unten die bunten Farbtupfer in den Weinbergen und noch weiter unten die bescheuert nervigen Autobahnen und die formvollendeten Industrie und Hochhausbauten der Städte am Rhein prall gelben abgemähten Felder und Obstgärten der Ebene UND, das ist das Wunder klarer Tage, wir sahen die Pfälzer und Elsässer Berge auf der linksrheinischen Seite der Ebene. Klar und deutlich – gen Norden bis zum Donnersberg und weiter Richtung Mainz, gen Süden die Pfälzer Haardt mit Kalmit und Weinbiet und weiter südlich das Elsass und unsere geliebten Vogesenberge. Andächtig starrten wir hinüber ins Paradies, das sich zu dieser Jahreszeit nur  mit wenigen Reisezielen toppen lässt.

„War da nicht mal etwas mit einer Recherche, die du für ein Projekt noch machen musstest“, fragte Herr Federwelt. Komisch, genau an diese längst abgehakte und vergessene Schreibsache hatte ich gerade auch gedacht und ich nickte eifrig. „Ja, demnächst müsste ich da dringend mal hin.“ Ich wurde nicht mal rot beim Schwindeln. „Ganz dringend sogar.“ „Wann? Morgen?“ „Könnte sein.“ Wird sein. Morgen fahren wir für ein paar Tage ins Paradies in ein wunderschönes Vogesental unweit der elsässischen Weinstraße. Zum Recherchieren für obig genanntes bereits abgeschlossenes Projekt … öhhhm … Pssst! ;)

Was ist eigentlich die Steigerung von „verrückt“?

Bist du verrückt?

Das hat mich eine Bekannte heute gefragt, nachdem ich etwas nörgelig bekannte, dass ich mich derzeit etwas faul fühle. Dann hat sie begonnen aufzuzählen, was ihres Wissen (Pssssst! Sie weiß nicht mal die Hälfte dessen, was war und ist und so) dieses Jahr im Hause Federwelt bereits sich erreignet hat und was arbeitsmäßig und anderweitig geleistet wurde. Stumm hörte ich zu und staunte, nickte brav und dachte an neue Ideen und noch abzubauende Hürden. Der Tag ist einfach zu kurz, vor allem für die Ideen. Und ja, ich bin verrückt. Aber seit heute auch ein kleines bisschen stolz, denn vieles dessen, was bereits getan und „überlebt“ wurde, war mir gar nicht (mehr) bewusst. Ja, ich darf stolz sein. Ob ich mir bei dieser Bilanz ein kleines Sofa-Schläfchen leisten kann? Eigentlich wollte ich jetzt doch dieses „Dingens“ tun und jenes „Gedankenblitziges“ gerade eben mal aufnotieren. Zu erzählen hätte ich auch noch so einiges und zu vielen Nostalgieeinträgen in meinen Lieblingsblogs würde ich auch gerade vieles sagen und ergänzen wollen und, ja, und da sind sie auch schon wieder, weitere neue Ideen und …

Und?

Ja, es ist ganz schön stressig, verrückt zu sein.

Fazit: Stop! Ruhe! Tacet! Sofa-Schläfchen! Aber dalli!

Diesen heutigen Tag vermisse ich und vermisse ihn nicht. Zweideutig. Er ist mir irgendwie abhanden gekommen und es stört mich überhaupt nicht, denn noch so einen Tag muss ich nicht unbedingt haben. Es war so ein NullNichtsTag, der an mir vorbeiraste, seine Spuren hinterließ und irgendwie den Anschein erweckte und erweckt, seinen Weg auf einer nebeligen Straße in Richtung NullNichts zu dümpeln. Ich hinke ihm hinter, beschließe aber, ihm, diesem Tag ein Ende zu setzen und den Abend einzuläuten.

Es muss sie auch geben, jene NullNichtstage … und du, innerer Schweinehund oder schlechtes Gewissen oder kleiner Zensor oder wie immer du dich heute nennen möchtest, halte einfach auch einmal nullnichtsmäßig den Rand. Geht das? Danke.

Heute Abend ein weiteres Sahnestückchen meiner neu entdeckten Lieblingskrimiautorin Fred Vargas im ZDF. „Der vierzehnte Stein.“ Noch knapp 100 Seiten muss ich lesen und will das fertig haben bis heute Abend, ja, und ich bin sehr gespannt, wie diese komplexe Handlung mit all den herrlich schrulligen Charakteren und dem zauberhaft französischen Ambiente (ein Muss für alle Francophilen) filmisch ungesetzt wird. Wahrscheinlich werde ich enttäuscht sein, aber ich denke positiv. Jawohl.

Und nun wissen Sie,  sollte mich jemand unerwarteterweise hier vermissen, womit ich heute diesen ersten Nichtsonnentag verbringe. Mit der Nase im Buch. Und mehr verrate ich nicht, denn offen gesagt, mir ist bis jetzt noch nicht klar, wie Kommissar Adamsberg einen seit 16 Jahren toten, nach seiner Theorie aber immer noch agierenden Serienmörder, fassen wird und wie er sich selbst aus dem Schlamassel, in das er geraten ist … Halt! Nein. Ich will nicht zu viel verraten. Drücken Sie mir die Daumen, dass man die Rolle der alten, tatterigen Dame Josette, die sich als Hackerin erster Güte erweisen wird, nicht gestrichen hat. Ich liebe diese kleine, zarte, alte Madame.

Au revoir et à bientot

Danke, Herbst! Du hast uns – zumindest hier im Südwesten – in den letzten Wochen sehr mit warmen Sonnenstrahlen umschmeichelt und verwöhnt, ja, und du hast uns damit mit dem lausigen Schwülwolkensommer versöhnt. Auch heute lacht die Sonne, vom Wind etwas mehr zerrupft als sonst, golden vom Himmel. Es sind Zaubertage, die sie uns beschert.

Ein Zaubertag im Herbst

Denkt nur, jemand hat heute Nacht

einen Teppich gewebt übers Land

aus silbernen Fäden in glänzender Pracht,

geschaffen von Meisterhand.

Verzaubert glitzert der Morgentau

mit dem Sonnenlicht um die Wette,

ein Glänzen und Funkeln, so silbergrau

wie Perlen auf einer Kette.

Der Sonne macht dieses Spiel Freude.

Sie strahlt mit all ihrer Kraft.

Einen warmen Tag schenkt sie uns heute.

Sie hat es noch einmal geschafft.

Und der Sommer? Er lacht.

Ist er doch über Nacht

heimlich zurückgekommen

und hat das Zepter noch einmal ganz sacht

dem Herbst aus den Händen genommen.

Und während ich versuche, sie in Worten zu malen, diese Zeit, kündigt Wind von Westen mit ersten silberweißen Wolkenflimmerschleiern leise das Ende dieses ruhigen Altweibersommers an. Oder droht er nur, der Wind? Schaut er kurz mal vorbei, um den Nüssen, Eicheln, Bucheckern und Kastanien zu helfen, in ganzen Kaskaden von den Bäumen zu plumpsen und gezielt auf den Köpfen der Wochenendwanderer zu landen?

Man wird sehen.

Haben Sie Zeit an diesem ersten Oktoberwochenende? Und haben Sie Lust zur Teilnahme an der „Aktion Kastanienzauber“? Ja, und mögen Sie sie auch nicht leiden, jene dunklen, tristen Herbstdepressionstage? Ja?

Dann hören Sie gut zu:

Begeben Sie sich in den nächsten Tagen nach draußen, ziehen Sie nicht über Los, nehmen Sie nicht 1000 Euro ein, gehen Sie ins … halt, das ist eine andere Geschichte.

Also nochmals von vorn. Gehen Sie mit offenen Augen durch die Natur und sammeln Sie: Kastanien (Rosskastanien oder Maronen, egal) und suchen Sie sich davon die schönsten Exemplare (das sind diejenigen, bei deren Betrachtung Sie das Gefühl haben, sie zwinkerten Ihnen leise zu) aus und stecken Sie jeweils eines davon in die Tasche Ihrer Winterjacke, des Wintermantels, des Regencapes, des Anoraks oder was sonst Sie im Winter noch zum Schutz gegen die Schmuddelkälte zu tragen pflegen. Tragen Sie dieses „Einstecksel“, nennen wir es „die Zauberkastanie“, den ganzen Herbst und Winter mit sich. Jedes Mal, wenn Sie sich traurig oder übellaunig oder herbstdepressiv fühlen, fassen Sie ganz schnell die Zauberkastanie an, streicheln Sie über ihre glatte, samtweiche Haut und denken Sie an besonders tristen und kalten Tagen dabei an den warmen, goldenen Herbst … UND an die bald wieder kommenden warmen Frühlingstage. Denken Sie an Sonne, Wärme Licht! Lassen Sie sich von Ihrer Zauberkastanie (es darf auch eine Zaubernuss sein) bei jedem Gang nach draußen begleiten und etwas Wärme wird mit Ihnen sein. Und Erinnerungen. Und Vorfreude auf die Sonne, Wärme und den hellen Lichtzauber des kommenden Jahres.

Eines Tages dann, wenn Sie sich – so gegen Mitte März oder so – so richtig „frühlinglich“ gut fühlen, gehen Sie mit ihrer Zauberkastanie an einen Ort, den Sie besonders gerne besuchen. Nehmen Sie die Kastanie, streicheln Sie ihr noch einmal ganz zart über ihre nun nicht mehr ganz so glatte Schale (Sie dürfen sie auch küssen) und dann, ja, und dann werfen Sie sie mit einem Schwung weit in den Frühling hinaus. Und vielleicht, ja, vielleicht endet dieser Zauber damit, dass Sie später, so gegen Ende des nächsten Sommers, ein klitzekleines Kastanienbäumchen irgendwo dort, wo Ihre Kastanie gelandet sein mag, finden werden.

Zaubern Sie mit?

Ich geh dann mal. Kastanien sammeln :)

Der genervte Horror – Tage wie dieser

Heute ist so einer dieser Tage, an denen nichts, aber auch gar nichts geht.

Konzentrieren? Fehlanzeige.

Arbeiten? Ein Fehler nach dem anderen. Also auch Fehl(er)anzeige.

Kommunizieren? Bäh. Knodderkopf trifft auf Knodderkopf, die Mienen sind grimmig, die Stimmen knurrig, die Nerven liegen blank. Also auch nichts.

Ab nach Hause. Ein bisschen aufräumen, ein bisschen kochen, ein bisschen entspannen, ein bisschen frische Luft tanken.  Aber auch hier: Nichts!

Der Kopf bleibt matschig, der Lustfaktor, irgendetwas Sinnvolles zu tun, hängt unter der Kniekehle, das neue Buch ist langweilig, das Essen verkocht, der Kaffee schal, das Haus – aufräumungstechnisch – ein schier nicht zu bewältigendes Chaos (ob ich mal eben rasch einen Riesenabfallcontainer bestellen oder gleich ganz umziehen soll?), der …

Nein, ich mag nicht weiterreden. Ich mag nicht denken. Ich wünsch mir nur eines: Dieser Tag möge doch nun ganz rasch zu Ende gehen.

Oder?

„Und? Wie war dein Tag heute?“

„Müde.“

„Müde?“

„Ja. Müde schlich  er sich dahin und ich mich mit.“

„Kleine Herbstdepression, hm?“

„Nö.“

„Du solltest aber wirklich ernsthaft etwas dagegen unternehmen.“

Ich nicke. „Stimmt. Ich könnte vielleicht mal ins Bett gehen. Irgendwie hatte ich das letzte Nacht … vergessen.“

„Öhhh … Na denn.“

Es lauert überall, das Glück.

Der Gückspilz, ach was, gleich eine ganze Glückspilzfamilie winkte mir heute im Wald zu.

Glückspilzfamilie

Glückspilzfamilie

Während ich noch staunte und mich freute, knackte es über mir im Baum …

Stacheligel

Stacheligel

und dieser „Stacheligel“ landete „platsch“ auf meinem Kopf.

Aua!

Die Stacheln, sie stacheln …

Esskastanienweg

Esskastanienweg

Eingesammelt, geröstet oder in Salzwasser gekocht schmecken sie lecker.

Süß und mehlig und, ja, einfach fein nach Herbst.

Was für ein Finder-Glück!

Glücksbögen

Glücksbögen

Stimmt! Das mit dem Glück … meinte wenig später der Regenbogen, der sich nach einem kurzen Regenguß vor mir bildete. Und er schenkte mir gleich einen zweiten bunten Farbenring dazu.

Sieht man selten.

Was für ein Glück!

Es lauert … manchmal … überall.

Wenn man es sieht.

Oder?

Ein guter Tag mit Bär

Ein guter Tag mit Bär

Doch, es war ein guter Tag …

:)

Das ist nun wieder so überhaupt kein gehaltvoller Beitrag, doch in gewissem Sinne bedeutungsvoll zumindest für mich. Es ist wieder so weit. Ich trage zum ersten Mal seit Mai freiwillig wieder Strümpfe. Wollstrümpfe. Warme. Aus Angora.

Nun ist also wirklich der Herbst auch bei mir angekommen und so ganz leise schleicht sich eine kleine Vorfreude auf kuschelige Dunkelnachmittage und Kaminfeuerabende bei mir ein. Aber noch tut sie das ganz leise … ;)

Irgendwie habe ich heute Plapperwasser getrunken und irgendwie sagt mir gleichzeitig ein Bauchgefühl, all das zu Sagende ungesagt lassen zu sollen. Auf Gefühle pflege ich in der Regel zu hören, auch dann, wenn der Kopf, wie heute überrandvoll ist mit Plapperthemen. Psssst also!

Kennen Sie auch solche Tage?

Und bevor ich nun doch noch losplappere, schaue ich auf A. Lincolns Worte, die auf einem Zettelchen meine Arbeitsecke zieren und mich immer schelmisch angrinsen:

„Besser schweigen und als Narr scheinen, als sprechen und jeden Zweifel beseitigen.“

Nun denn …

Und jetzt will’s keiner gewesen sein und diejenigen, die vorher schimpften, tun es heute auch: Schimpfen, maulen, heulen, zetern … Übel. Übel.

Wie wäre es mit etwas mehr Zivilcourage, liebe Leute?

Im Wirbel

Im Wirbel

Auch ein kleines oder besonders das derzeit viel zitierte „kleinere Übel“ ist und bleibt ein Übel. Und Übles hallt in meinen Ohren nach, Versprechungen, Beschönigungen, Schönfärbereien, Drückerkolonnenartiges Bedrängen. Fühlt man sich, erwählt man aus diversen Übeln das kleinste, hinterher nicht dennoch übel? Alleine beim Nachdenken, Reflektieren und im Austausch zum Thema des Übelgrübelwählens wird mir … etwas … übel.

Fühlen wie Tucholsky

Es gibt sie wirklich, die fünfte Jahreszeit.

So, wie er es im folgenden beschreibt, fühle ich es. Fühle ich mich.

Sie fühlt sich sehr schön an, diese Zeit.

Und in diesen goldenen Altweibersommertagen, die ich so oft es geht draußen und vor allem im Wald und in den Weinbergen verbringe, ist sie ganz in mir, diese wunderherrliche fünfte Jahreszeit.

Nämlich so:

„… Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.

So vier, so acht Tage –

Und dann geht etwas vor.

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt … , na … na … , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“

aus: Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke 1929, Band 7, 224-225, (c) Rowohlt Verlag

Altweibersommermorgen

Altweibersommermorgen

Ich liebe sie, diese Zeit.

Und ich liebe Tucholsky.

Und nicht nur ich. Hier zum Beispiel hat eine meiner Lieblingsfotografinnen Die fünfte Jahreszeit in wundervollen Bildern zauberhaft schön zusammengestellt und veröffentlicht. Schauen Sie mal rein! Es lohnt sich.

Das Leben ist schön.

Authentisch sein ... diese Freiheit nehme ich mir. Hier ...

 

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