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„Du lachst immer dabei, ja, warum lachst du immer dann, wenn wir wie jetzt …“

„Ich lache doch nicht!“

„Doch. Du lachst immer. Na ja, es ist eher ein Grinsen?“

„Ein Grinsen? Hey, du! Das nimmst du zurück. Ich grinse nicht. Nicht … dabei.“

„Na ja. Es ist auch eher ein Lächeln. … Aber ein ganz breites.“

„Hmpf! Neulich sagtest du, ich würde in letzter Zeit so selten lachen und wäre immer so ernst.“

„Ernst! Ja, das ist es. Du nimmst es nicht ernst.“

„Was … nehme … ich … nicht … ernst?“

„Das, was wir gerade machen. Im Gegenteil. Du machst dich darüber lustig.“

Stimmt! Ich lache, nein, ich grinse breit. Das, was wir da täglich gemeinsam tun, dürfte für Zuschauer so schräg ausschauen, dass man einfach lachen, pardon, grinsen muss. Und ich werde auch weiter … dabei … lachen oder grinsen oder lächeln, denn wenn ich anfange, DAS ernst zu nehmen, verliere ich ganz schnell den Spaß, die Lust, die Freude daran.

WAS? Ist doch klar: Unsere tägliche gemeinsame Trockenübung im Kickboxen. Oder woran dachten Sie?

Ein herrlicher Morgen ist dies heute. Wettermäßig betrachtet. Schon früh bin ich aufgewacht. So gegen halb fünf. Die Vögel waren schon schwer beschäftigt. Sie haben zauberhaft schön konzertiert. Es war faszinierend, und mich hielt nichts mehr im Bett.
Eine halbe Stunde später, es dämmerte schon, war ich mit dem Bären unterwegs. Langsam stiegen wir bergan in den Wald hinauf, lauschten den Vögeln, atmeten die von Tau durchtränkte, zugegebenermaße sehr frische, kühle Luft ein – sie duftete herrlich – und beobachteten, wie sich das Licht von Minute zu Minute änderte. Der Tag drängte die Nacht Stück für Stück von der Bühne.
Blaue Stunde.
Übergangszeit.
Wir beobachteten und genossen, der Bär und ich.
Ab und an raschelte es im Unterholz. Die Waldtiere gingen schlafen.
Dann waren sie da, die ersten Sonnenstrahlen. Zögernd noch tauchten sie die Bäume in zartes Rosa – oder ist es Lila, Orange, Gelb? Von allem etwas. Ein Farbencocktail. Und die Vögel verstummten, einer nach dem anderen.

Schön war es … so schön, dass ich ganz vergaß, die Welt aus der Kameralinse zu beobachten und zu fotografieren.
Das war gut so. Es gibt Momente, die sollte man sich im Kopf und im Herzen aufbewahren – und man erinnert sich länger an sie.

„Um den Bären brauchst du dir keine Gedanken mehr zu machen“, sagte vorhin der Gatte zu mir. „Er ist in den letzten Monaten erwachsen geworden und hört mir nun aufs Wort. Echt wahr.“

„Öhhh!“ Ungläubig starrte ich den Liebsten an. Im Griff? Wer hat da wen im Griff? Der Gatte den Bären oder der Bär den Gatten. Eigentlich wäre es das erste Mal, dieses „Im-Griff-haben… Ich nickte trotzdem dankbar, in Gedanken noch immer bei der Arbeit, die ich heute noch fertig bringen möchte (Aktion „Nietenvernichtung“). Aber an Wunder glaube ich immer wieder gerne, also auch an jenes eben erwähnte mit dem „im Griff und so… und testete es gleich einmal aus. Gartentür auf – und wusch ist der Bär weg.

„Aus! Hier! Sitz! Platz! Zurück! Kommst du wohl! Bär her!“

Bär war weg, geschätzte Richtung hinter dem Garten schräg im Gelände bergauf irgendwohin Richtung WaldohneEnde oder so, ohne Halsband und Leine und Disziplin – und ohne den „Griff des Gatten“. Ich konnte nicht anders, ich musste lachen.

- Absatz  und Nachtrag -

Über eine Stunde später tauchte der Bär wieder auf und pennt nun zufrieden in einem schattigen Balkoneckchen. Der Gatte, der schmollt … und ich fühle mich – irgendwie – müde und zitterig.

Blaublumenfeld

Blautag

Ich fühle mich blau, und das bedeutet:

Lust zum Träumen, Freisein, Schweben, Leben … und …

„Hey, Halt!“ Mit lauter Stimme drängt er sich in meine Gedanken, der innere Schweinehund. „Nietenwoche ist’s. Schon vergessen? Los! Hinsetzen! Arbeiten! Zack! Zack!“

„Yeah! Ich mach ja nicht blau“, antworte ich artig.

Zack! Zack!

So mal zwischendurch: Die Idee der Zettelwirtschaft erwies sich als blödsinnig genial. Ich zog eine nicht ganz so doofe recht interessante Aufgabe, nämlich einen Sachartikel für eine Zeitschrift über die Erdbeere zu schreiben. Abgabetermin letzten Freitag. Autsch! Also erst kurzes Telefonat mit erstunkener überzeugender Entschuldigung wegen der Verspätung und eine Verlängerung auf morgen Nachmittag herausgehandelt. Dann mit Recherche und Schreiben begonnen und ein paar Zeilen geschrieben und, hach, mich voll cool, souverän und konsequent gefühlt. Doch Fühlen fühlt sich bei mir immer schlecht an im Sinne von abschweifenden Gedanken. Aus der Erdbeere wurde plötzlich der Erdbär, der im Wald sein pfiffiges Unwesen treibt – wusch – und schon war ich mitten drin in einem Kindermärchen. Gerade als sich der Erdbär mit dem … ach was, das tut hier nix zur Sache, jedenfalls an dieser Stelle fiel mir die Erdbeere und der Artikel wieder ein und ich wechselte fluchend eifrig wieder zum eigentlichen Thema und hing … bis das Telefon klingelte und eine hektische nette Lektorin dringend um eine Silverstergeschichte bat. Sofort, wenn möglich, da das Buch eigentlich schon in der Druckerei sei und … Ja, wir kennen das ja schon. Erdbär und Erdbeere zur Seite gelegt und im Dateien-Chaos-Saustall-Archiv nach Silvestergeschichten gesucht. Fündig geworden und den Text auf die gewünschte Länge getrimmt und abgeschickt.

Nun kommt wieder die Erdbeere, denn diese Niete kann ich schlecht in den Topf zurückwerfen. Aber der Erdbär, der bekommt einen neuen Zettel und … Ruhe! Klappe, Erdbär! Du hast heute nichts mehr zu melden.

Tsss …

Zettelwirtschaftswoche? Das gibt es? Ja, gibt es. Zumindest  bei mir. Und zumindest in dieser Woche und wahrscheinlich noch einige Zeit länger. Und das ist, weil im Augenblick zu viel auf meiner Liste mit dem Wörtlein „to do“ steht und weil zu viel von diesem zu Vielen relativ zeitgleich (wie immer am besten vorgestern) erledigt und seufzend abgehakt freudig abgeliefert sein muss. Muss müssen aber tut nie gut und kreativ ist’s schon gar nicht.

Und wie funktioniert das nun mit der Zettelwirtschaft? Ganz einfach: In der Federwelt steht neuerdings auf dem Schreibtisch Omas Silberdose und darin liegen viele bunte gefaltete Zettel und, richtig geraten, auf jedem Zettel steht eines dieser blöden kreativ anregenden „to-do’s“. Es ist wie in einer Lotterie und ich weiß schon im Vorab, dass die Lostrommel Silberdose – vom Gefühl Arbeits-un-lust her betrachtet – ein Nietespender sein wird. Aber spannend ist’s schon und ich versüße mir meine Nieten dieser Woche damit ein wenig. Denke ich mal.

Und jetzt ziehe ich ein Los … und bin dann weg.

„Duuu … Liebes …???“

„Hm?“, frage ich den Liebsten aller Liebsten, der plötzlich mit äußerst besorgter Miene vor mir steht. „Was hast du?“

„Ich?“ Er schüttelt – mit einer abwehrenden und zugleich fröhlich beruhigender Miene – den Kopf. „Mir geht es ausgezeichnet. Aber … ja, ich finde, du solltest dringend einen kleinen Mittagsschlaf machen.“

Mittagsschlaf? Ich? Wann mache ich denn einmal Mittagsschlaf? Sehe ich so blass aus oder …!? Alarmiert fixiere ich die Miene des Gatten. Die Röte seiner Wangen nimmt zu, die Augen flattern, während er nervös zur Uhr schaut.

„So ein Schläfchen tut dir bestimmt gut“, meint er. „Es ist doch Sonntag. Ruhetag.“

Seine Stimme zittert irgendwie. Was hat er? So kenne ich ihn nicht. Es sei denn, er heckt etwas aus. Dann begreife ich. Sonntag. Der Countdown läuft … und ich flätze mit dem Lap gemütlich auf dem Sofa, welches in TV-Nähe steht. Aha! In einer halben Sunde oder so beginnt der „Große Preis von Monaco“ und dieser scheinheilige Lügner mein schüchterner Liebling würde dieses Rennen gerne sehen, so wie jedes Jahr. Selbstlos und auf Umwegen  …

Ich lehne mich noch gemütlicher zurück, lächle ihn freundlich an, bedanke mich für seine Besorgnis und haue mich noch tiefer in die Polster. „Oh nöö“, sage ich lässig. „Danke für deinen lieb gemeinten Tipp, aber ich bin wirklich üüüberhaupt nicht müde. Ich habe noch soooooo viel hier zu tun.“ Ich deute aufs Lap, tippe ein paar Worte und grinse. „Außerdem: Gleich beginnt das Autorennen. Das lasse ich mir doch nicht entgehen.“

Öhhhm …

Oooooohhhmmmm ….

Ruhe! Schweigen! Dann ein wieherndes Lachen.

Ja, so mag ich uns. Nicht nur an Sonntagen.

Es fühlt sich gut an, den alten Freund – oder die alte Freundin? – Blog wieder neben mir zu wissen, stets bereit, meinem Geplapper zuzuhören. Was bleibt ihm/ihr auch anderes? Weglaufen kann er/sie nicht.

Er – Sie – Es? Der, die, das Blog? Wie hätten Sie es denn gerne, verehrtes der/die/das Blog?

Hm…

Ich denke, ich sollte neutral bleiben, eine Haltung, die ich mir in den letzten bescheuerten nicht ganz leichten Monaten angewöhnt habe und an deren weiteren Gewöhnung ich noch immer verdammt hart leichten Herzens arbeite. Also, DAS Blog, künftig.

Neutral, aber wählerisch und … nein, diesen Herzenswunsch, der mir hier zu schreiben auf der Zunge, pardon, in den Tippfingerspitzen liegt,  behalte ich für mich. Noch. Es wäre nicht … neutral.

Wie eine Feder im Wind so leicht … fange ich noch einmal von vorne an in und mit meiner Federwelt. Und irgenwie auch mit meinem Leben. Ich sehe es – nun – mit etwas anderen, helleren, wacheren  Augen. Hoffe ich. Denke ich. Meine ich. Glaube ich. Weiß ich.

Man wird sehen.

Elana

Authentisch sein - diese Freiheit nehme ich mir. Hier ist alles echt ...

 

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