Du durchsuchst gerade das Monatsarchiv für den September 2009.
„Und? Wie war dein Tag heute?“
„Müde.“
„Müde?“
„Ja. Müde schlich er sich dahin und ich mich mit.“
„Kleine Herbstdepression, hm?“
„Nö.“
„Du solltest aber wirklich ernsthaft etwas dagegen unternehmen.“
Ich nicke. „Stimmt. Ich könnte vielleicht mal ins Bett gehen. Irgendwie hatte ich das letzte Nacht … vergessen.“
„Öhhh … Na denn.“
Es lauert überall, das Glück.
Der Gückspilz, ach was, gleich eine ganze Glückspilzfamilie winkte mir heute im Wald zu.

Glückspilzfamilie
Während ich noch staunte und mich freute, knackte es über mir im Baum …

Stacheligel
und dieser „Stacheligel“ landete „platsch“ auf meinem Kopf.
Aua!
Die Stacheln, sie stacheln …

Esskastanienweg
Eingesammelt, geröstet oder in Salzwasser gekocht schmecken sie lecker.
Süß und mehlig und, ja, einfach fein nach Herbst.
Was für ein Finder-Glück!

Glücksbögen
Stimmt! Das mit dem Glück … meinte wenig später der Regenbogen, der sich nach einem kurzen Regenguß vor mir bildete. Und er schenkte mir gleich einen zweiten bunten Farbenring dazu.
Sieht man selten.
Was für ein Glück!
Es lauert … manchmal … überall.
Wenn man es sieht.
Oder?

Ein guter Tag mit Bär
Doch, es war ein guter Tag …
Das ist nun wieder so überhaupt kein gehaltvoller Beitrag, doch in gewissem Sinne bedeutungsvoll zumindest für mich. Es ist wieder so weit. Ich trage zum ersten Mal seit Mai freiwillig wieder Strümpfe. Wollstrümpfe. Warme. Aus Angora.
Nun ist also wirklich der Herbst auch bei mir angekommen und so ganz leise schleicht sich eine kleine Vorfreude auf kuschelige Dunkelnachmittage und Kaminfeuerabende bei mir ein. Aber noch tut sie das ganz leise …
Irgendwie habe ich heute Plapperwasser getrunken und irgendwie sagt mir gleichzeitig ein Bauchgefühl, all das zu Sagende ungesagt lassen zu sollen. Auf Gefühle pflege ich in der Regel zu hören, auch dann, wenn der Kopf, wie heute überrandvoll ist mit Plapperthemen. Psssst also!
Kennen Sie auch solche Tage?
Und bevor ich nun doch noch losplappere, schaue ich auf A. Lincolns Worte, die auf einem Zettelchen meine Arbeitsecke zieren und mich immer schelmisch angrinsen:
„Besser schweigen und als Narr scheinen, als sprechen und jeden Zweifel beseitigen.“
Nun denn …
Und jetzt will’s keiner gewesen sein und diejenigen, die vorher schimpften, tun es heute auch: Schimpfen, maulen, heulen, zetern … Übel. Übel.
Wie wäre es mit etwas mehr Zivilcourage, liebe Leute?

Im Wirbel
Auch ein kleines oder besonders das derzeit viel zitierte „kleinere Übel“ ist und bleibt ein Übel. Und Übles hallt in meinen Ohren nach, Versprechungen, Beschönigungen, Schönfärbereien, Drückerkolonnenartiges Bedrängen. Fühlt man sich, erwählt man aus diversen Übeln das kleinste, hinterher nicht dennoch übel? Alleine beim Nachdenken, Reflektieren und im Austausch zum Thema des Übelgrübelwählens wird mir … etwas … übel.
Fühlen wie Tucholsky
Es gibt sie wirklich, die fünfte Jahreszeit.
So, wie er es im folgenden beschreibt, fühle ich es. Fühle ich mich.
Sie fühlt sich sehr schön an, diese Zeit.
Und in diesen goldenen Altweibersommertagen, die ich so oft es geht draußen und vor allem im Wald und in den Weinbergen verbringe, ist sie ganz in mir, diese wunderherrliche fünfte Jahreszeit.
Nämlich so:
„… Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.
Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.
Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.
So vier, so acht Tage –
Und dann geht etwas vor.
Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt … , na … na … , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.
Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“
aus: Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke 1929, Band 7, 224-225, (c) Rowohlt Verlag

Altweibersommermorgen
Ich liebe sie, diese Zeit.
Und ich liebe Tucholsky.
Und nicht nur ich. Hier zum Beispiel hat eine meiner Lieblingsfotografinnen Die fünfte Jahreszeit in wundervollen Bildern zauberhaft schön zusammengestellt und veröffentlicht. Schauen Sie mal rein! Es lohnt sich.
Das Leben ist schön.
Sommer und Herbst, beide, ziehen nochmals alle Register und sie beschenken die Natur mit den kräftigsten, leuchtendsten und herrlichsten Farben, die sie nur bieten können. Gelb und rot in allen Tönen, lila, violett, orange, rost- und bitterschokoladebraun.
Farben, die uns die Natuar zu keiner anderen Zeit im Jahr in dieser Üppigkeit und Pracht zu bieten vermag.
September ist Feuerdorn.
Feuerglut. Satt. Zufrieden. Überbordend.
Feurig glühend.
Ein kräftiges Finale in tiefem, fetten Orange.
September ist Feuerdorn – und leise erinnern uns seine Dornen an die kommende trübe, graue, blasse, farblose Zeit.

September ist Feuerdorn
Von 100 auf 0 abspringen, das, ja, das bringt nur blaue Flecken (am Körper, im Geist, auf der Seele, überall) und fühlt sich an, als spränge man aus einem fahrenden ICE.
Ich springe weiter, nur vielleicht nicht ganz so schnell, denn ich rede ab sofort nicht mehr nur um den heißen Brei, sondern ich versuche, mich an mein „Geschwätz von Gestern oder Wannauchimmer zu halten. Ein bisschen zumindest. Alte Türen schlagen zu, ein paar neue, durch die ich gerne treten werden, mögen sich öffnen.
Wenn man im Begriff ist, von einem fahrenden Zug abzuspringen, läuft man Gefahr, sich etliche Blessuren und Schrammen einzufangen. Ich sammle sie und bewahre sie auf in einem „Kästchen des Erinnerns“ und einem „Ordner des Bitte-Schnell-Vergessens“ und springe weiter vom Zug ab. Waggon für Waggon.
Und da ist auch der eine oder andere Waggon, der – neu im Zug – zum Aufspringen einlädt. Man kann ja mal reinfühlen und schauen …
—
Nachtrag: The latest News von der „Schweinegrippefront“ und die Antwort auf Eure Komentare folgen. Man darf gespannt sein
Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens
Armin Müller-Stahl
Ich mag nicht mehr immer nur funktionieren, nein, halt, falsch: Ich kann es nicht mehr. Meine Seele schreit mir das schon lange zu … und der Körper wohl auch. Dauerkreislaufstörungen ohne nennenswerten ärztlichen Befund und trotz regelmäßiger Bewegung (oder das, was ich „Spaßsport“ nenne) lassen sich nicht tagelang nur aufs Wetter schieben und auch nicht immer nur auf die Nordwindtage . Und wenn man eines Wochenendmorgens wieder einmal – wie fast immer – nicht ganz freiwillig am Rechner über einem unliebsamen Text sitzt und plötzlich spürt, dass das Gesicht ganz nass geworden ist, tränennass von unbemerkt fließenden Tränen, dann fängt man an darüber nachzudenken, dass irgendetwas so gar nicht mehr in Ordnung ist. Dass man – irgendwie – falsch lebt und dass man wohl nun doch AUSGEBRANNT ist. Und wenn man zufällig noch das Glück hat, dies bevor man, wie schon mal vor Jahren „erprobt“, gnadenlos vom Hocker fällt und beim Aufwachen in das Gesicht des Notartzes blickt rechtzeitig festzustellen, dann, ja, dann ist es an der Zeit, die Notbremse zu ziehen und das Leben grundlebend grundlegend zu ändern. Umgehend.
Nun sehen Sie mich, nach einem sehr langen Gespräch mit Herrn Federwelt (noch schweinegrippefrei), vor einer Liste sitzen. Einer „to-do“-Liste der ganz besonderen Art. Darauf finden Sie nämlich nur solche Dinge, dich ab sofort als „not-to-do“ gestrichen werden. Und es ist unglaublich, wie viele Punkte sich auf dieser „Blacklist“ sammeln – und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Momentan sitze ich gerade an der Frage „Wie viel Internet braucht der Mensch, pardon, brauche ich“. Muss ich Xing noch haben oder Twitter, muss ich dieses Forum noch aufsuchen und jenes, diese Newsgroup und jene Autorenliste, diese Vereinsmitgliedschaft und jenes nervige Facebook, diese Site oder jene, DIESES Blog oder … ???
Halt. Stop. DIE FEDERWELT, DIE BLEIBT. Ich beginne, sie immer lieber zu gewinnen und mit ihr die lieben Menschen, denen ich als Gäste hier oder beim Streifen durch die Blogwelt begegne. Aber alles andere? Die Strichliste, sie wächst. Und ich meine es ernst.
Und nun wissen Sie, womit ich dieses Wochenende verbringe.
Haben Sie auch etwas, das sie gerne aus Ihrem Leben streichen möchten? Tun Sie es, wenn es nur irgendwie machbar ist. Das Leben ist nämlich so kurz. So verdammt kurz …
Die einzige Möglichkeit, Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, sah ich darin, einen Brief zu schreiben…
So sollte der Anfang einer Geschichte lauten, die hier nun ab 12 Uhr im Rahmen von Donnas Schreibprojekt im September stehen bzw. veröffentlicht sein sollte. Konjunktiv.
Und wo isse nun, die Geschichte?
Ja, wo? Das frage ich mich auch. Es gibt sie nämlich nicht, einfach deswegen, weil mir schusseligerweise entgangen war, dass mein Name auf der Teilnehmerliste stand. Sorry, Donna! Ich habe es schlicht verpennt und erst soeben beim Klick auf deine Seite entdeckt. Peng!
Was tun? Schnell einen Text hinschlampern? Nein, das wäre gegen die Regeln (die Zeit ist schließlich um) und überdies verdient diese wundervolle Aktion von Donna keine „Hinschlampereien“. Schauen Sie einfach einmal bei Donna vorbei, dann wissen Sie, was ich meine.
Eine Fantsiereise der besonderen Art … oder die Macht der Imagination.
Gestern beim Einkauf sank ein paar Schritte neben Herrn Federwelt eine Dame im Supermarkt zu Boden. Bevor gnädige Ohmacht sie umhüllte, hauchte sie den Umstehenden „Ich habe die Schweinegrippe“ zu. Nachdem Herr Felderwelt mehr halb als herzig seine Hilfe anbot und den Notarzt gerufen hatte, ging rannte er zur siffigen sonst verabscheuten Supermarkt-Toilette und wusch sich die Hände. Er wusch sie sich auch gleich zu Hause, schniefte, schneuzte, duschte sich, zog sich frische Klamotten an (wegen der Viren!) und nahm, vorsichtshalber, zwei Aspirin.
Heute ist er blass, unterbricht ständig seine Arbeit und schaut öfter als gewohnt mit Sorgenfalten in den Spiegel, beobachtet seinen Pulsschlag, räuspert sich ungewohnt oft, fühlt sich eigentümlich „matt“ in den Beinen … und wartet. Ein Glück, dass wir weder ein funktionierendes Fieberthermometer noch ein Pulsmessgerät im Hause haben, denn sonst würde ich AUSRASTEN das milde Lächeln in meinem Antlitz verlieren.
Ich werde ihn mir mal schnappen und den eingebildeten „Vielleicht-Eventuell-Bald-Kranken“ mit auf eine Runde Joggen im Wald nehmen. Vielleicht bringt er dann bessere Laune mit. Oder doch die Schweinegrippe …
Mitleidsbekundungen jeglicher Art – an meine Adresse, nicht an die des Gatten gerichtet – werden dankbar entgegen genommen.
Endlich! Sie sind da und rümpeln die Supermarktregale – und die Einkaufswägen der Kunden – voll: Lebkuchen, Plätzchen, Baumkuchenspitzen, Nikoläuse undundund … neben Herbstastern und Kürbissen.
Ich beantrage, Weihnachten vorzuverlegen auf den 24. Oktober. Auf diese Weise wäre das Zeugs noch frisch und wir hätten den Kommerzrummel bald wieder hinter uns.
YEAH!
Asterix würde sagen: „Die spinnen, die Leute …“
„Lebe jeden Tag, als ob es der letzte wäre …“
Wer das gesagt hat, pardon, weiß ich nicht und mir ist auch nicht danach, zu klugscheißern googeln, doch es gibt in diesem Jahr – umständehalber – immer wieder Tage, an denen ich über den Sinn dieser Worte mehr nachdenke, als es vielleicht gut tut. Oder auch nicht?
Wie würde ich leben wollen, könnte ich wählen wie bei der netten Fee im Märchen mit dem Wunschring?
Es wären leise Wünsche. Kleine. Und die meisten Wünsche müsste ich mir gar nicht wünschen, denn entweder brauche ich das Gewünschte nicht oder ich habe es bereits. Herrn Federwelt und den Bären zum Beispiel und das stumme gegenseitige Verstehen, das nur Seelenpartner miteinander zu teilen vermögen sowie ein relatives Gefühl von Fitness (das immer noch anhaltende Nordwindkreislaufwetter zählt nicht, weil erträglich!). Ansonsten wünschte ich mir, meine Zeit nicht mehr mit Unsinn (seien es Aufträge, die ich nur des schnöden Mammons wegen annehme, deretwegen ich mich aber zuweilen ungern im Spiegel anschaue, oder seien es unerlässliche Diskussionen/Debatten/Nervereien mit dumpfbackigen, hirnlosen Menschen, denen ich normalerweise aus den Weg gehen würde) verbringen zu müssen. Ich wünschte mir, in Ruhe „mein Ding“ arbeiten zu dürfen. Sein zu dürfen – mit mir alleine, mit meinen Lieben und mit einer Handvoll Menschen, die es wahrhaft verdienen, Freunde genannt zu werden. Mehr brauche ich (fast) nicht.
Nun: Ist das unbescheiden?
Oder anders gefragt: Was würden Sie sich wünschen, stünde die Fee mit einem Wunschring vor Ihnen?
Dieser Scheiß-Krebs!!! So sehr gekämpft und doch verloren!
Mach’s gut, Patrick! Ich hoffe, du hast dort, wo du nun bist, keine Schmerzen mehr. Adieu …
Elana,
die den Resttag nun mit Johnny Castle verbringen und einen Stapel Papiertaschentücher vollheulen wird.
„Mein Baby gehört zu mir! Ist das klar?“
„Hilfe! Ein Überfall!“ Die Tasten des Konzertflügels zucken zusammen, als sich ihnen zwei Hände nähern. Eine linke, leicht behaarte Hand mit energisch drängelnden Fingern und eine rechte, weiche, mit einem Brillantring geschmückte Hand, ebenfalls mit, nein, mit noch energisch drängelnderen, kräftigen Fingern.
„Drei – zwei – eins – zero!“, erklingt eine Stimme aus dem Off. „Das Due-(tt)ll beginnt. Guten Abend, meine Damen und Herren! Sie hören …“
„Oh je“, wispern die Tasten des Musikinstruments. „Ich mag gar nicht hören, was wir nun zu hören bekommen. Wenn wir uns nur wehren könnten.“ Sie seufzen und ergeben sich in ihr Schicksal. Geduckt warten sie auf die ersten (An)Schläge.
Die linke Hand drängelt sich vor und vereint mit einem rauen Schlag drei Tasten zu einem Akkord. Kling-ping-boing. Er klingt schräg, der Klang.
Die rechte Hand prescht vor und schlägt ihrerseits zu. Ein dröhnender Vierer-Akkord. Hart und … irgendwie daneben gegriffen. Klong-pong-bäng.
Die linke Hand wehrt sich gegen den Eindringling von rechts und nudelt eine nicht enden wollende aufwärts steigende Tonleiter die Reihe der Tasten entlang. Sie endet mit einem triumphierenden T(h)riller in Bach’scher Manier.
Unverschämtheit! Die rechte Hand tritt dem Eindringling entgegen. Sie wehrt sich und dudelt die Tonleiterreihe in lautem Tschaikowksy-Stakkato wieder abwärts, um in einem dröhnenden Ta-ta-taaaaa auf dem tiefen C zu enden.
Jetzt erst beginnt das Duett-ll so richtig und in den nächsten Minuten, die den Klaviertasten wie unendlich lange Stunden anmuten, hämmern sich die beiden Duettanten, pardon, Duellanten durch ihren Vortrag. Lange währt die Qual. Die Klaviertasten geben mit verzerrten Gesichtern ihren Schmerz den Saiten im Klangkörper weiter. Die reagieren ob der rüden, unwirklich anmutenden Behandlung … verstimmt. Um das Gedröhne zu ertragen, verziehen und dehnen und (ver)schwingen und verbiegen sie sich und die Töne, die wiederzugeben ihr Job ist, klingen … falsch. Sie meinen es nicht böse, die Saiten, doch sie können sich nicht wehren.
Die Zuhörer meinen es auch nicht böse. Sie verziehen verstohlen die Gesichter … doch auch sie können sich … nicht … wehren.
Oder doch?
Nordwindtage, also Tage, an denen Wind und Luftströmungen straight von Norden kommen, sind keine guten Tage. Es sind für mich die „HirnwindungsverdreherPanikAmRaddrehenundVerrücktspiel“-Tage. Der Kreislauf läuft Amok, der stets zu tiefe Blutdruck macht sich gänzlich vom Acker, Schüttelfrösteln wechselt sich ab mit wechseljahrähnlichem Hitzeausbrücheln und das Blut wallt, die Stimmung kocht, der Mensch, pardon, Madame Elana, geht wie das legendäre HB-Männlein – wusch – bei jeder Kleinigkeit an die Decke und … hach … Es sind einfach keine guten Tage, diese Nordwindtage. Doch da man das von Kindheit an kennt, lernt man, irgendwie, damit zu leben.
Nordwindtage sind aber auch „Mit-dem-Schreiblock-oder-Lap-wegen-dem-Kreislauf-Beine-hoch-auf-dem-Sofa-liegen-Tage“ und solche Phasen können sehr produktiv sein. Sie sind es auch derzeit. Wild führt die Fantasie zu Höhenflügen, und alles, wirklich alles, wird notiert und präpariert und aufbewahrt für Normaltage, also Zeiten, in denen man wieder klar denken und sich konzentrieren und all das Gesammlte einordnen und auf den Punkt bringen kann. Es sind die Tage der „volldampfig kochenden“ Kreativität und … okay … und nun wissen Sie, wie ich derzeit meine Zeit verbringe.
Was ist noch passiert? Einige Tage habe ich wirklich zuweilen sehr sinnige und sinnvolle und dödelige nette Kommentare in diversen Blogs hinterlassen, die dann, im Orkus verlassen, sich selbst überlassen noch immer durchs Internet kreisen und die jeweiligen Blogs wohl nie erreichen werden. Nordwindtag-Kommentare eben. Das erklärt alles. Ja, und dann hat der Bär zweimal gebellt. Das klang so: WAU! WAU! Warum dies eine Erwähnung wert ist? Ganz einfach. Der Bär bellt nur in höchsten Notsituationen, und das war in seinen 1.5 Lebensjahren nun genau vier Mal. Beim ersten Mal war es wegen der Monsterkatze im Garten, das zweite Mal wegen der Biene im Blumenpott, beim dritten Mal, auch schon einige Monate her, hatte sich eine Hummel auf den Balkon verirrt, ja, und gestern hat sich eine Schnecke, monsterriesig groß wie ein Fünf-Cent-Stück, auf die Terrasse geschleppt und diese Gefahr erschien dem Bären als eine so immense, dass er, wie erwähnt, zwei Mal tief und markerschütternd „WAU! WAU!“ waute. WOW! Er kann es also noch, das Bellen. Lachen Sie nicht! Ich lebe schon immer mit Hunden (bzw. einem Hund mindestens) und der Bär ist mit Abstand der größte von ihnen … und derjenige, der am wenigsten seine Klappe aufmacht. Sorry, Bär, dass ich dich hier verpetze!
Ein weiteres Highlight war die Entdeckung bei amazon, dass eines meiner Uraltkinderbücher, das derzeit kurzzeitig vergriffen ist, im Gebrauchtbuchmarkt mit knapp 50 Euro gehandelt wird. Ein weiteres WOW! Oder ein Nordwindtagesyndrom? Egal. Wenn die Herrschaften wüssten, dass die Nachauflage bereits im Druck ist und das Teil dann wieder zu einem Spottpreis zu haben sein wird. Aber ehrlich, ich fühle mich zutiefst geehrt. Und dann gab’s noch eine Überraschung, heute, von der ich bestimmt noch viel und oft erzählen werde, so ich es denn schaffe, sie zu verdauen und überhaupt zu BEgreifen.
Und wem dies nun alles viel zu wirr klingt, der möge einfach die Überschrift nochmal lesen: Nordwindtage. Vergessen Sie’s … und ich mache mich rasch mal wieder auf die Suche nach der verlorenen Zeit, halt, nein, nach dem schon wieder versunkenen Kreislauf. Hallo, Herr Federwelt, bitte einen Espresso! Extra stark, s’il te plait!
A bientot – mit einem Augenzwinkern
PS: „Nudel sucht Giftzwerg“ – für mich DAS Highlight der Google-Verirrten, die mit dieser Anfrage auf dieses Blog stießen. Öhm. Sollte ich mich nun daran … stoßen …
Eine Eilanfrage an die Freaks der neuen dt. Rechtschreibung:
Schreibt man das so?
Ein hellgelbes, Handteller großes Ahornblatt trudelt direkt vor dir vom Baum.
Oder so?
Ein hellgelbes, handtellergroßes Ahornblatt trudelt … usw……
Über Wochenend-Nothilfe wäre ich sehrsehr dankbar. Und ich seufze leise vor mich hin und gedenke der Zeiten, in denen ich glaubte, in Rechtschreibung so gut wie keine Probleme zu haben. Damals. Vor 100 Jahren oder so. Hach ja! *seufz*
Wenigstens mag mich die WordPress Software wieder leiden und öffnet mir brav die Seiten. Danke! Ich fühlte mich doch, irgendwie, ausgesperrt…

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