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Entgegen aller Unkenrufe der Meteorologen zum Trotz war das Wetter heute herrrrrrlich – sonnig, warm, na ja, auch kreislaufig nordwindig, aber egal – und die Sicht war phänomenal klar. Ein Herbsttraum der besonderen Güte, fand ich. Und das fanden Herr Federwelt und der Bär auch, keiner von uns dreien hatte Lust zum Arbeiten (Herr Federwelt und ich) oder zum Zerfetzen von Socken, Zeitungen und Papierkorbinhalten (der Bär) oder zum Zimmerhocken (wir alle drei) und irgendwie fanden wir uns plötzlich nach einer längeren Wanderung oben am Berg wieder. Und da standen wir und starrten fasziniert hinunter auf die Rheinebene. Vor uns die bunten Farbtupfer in den Bäumen, noch weiter unten die bunten Farbtupfer in den Weinbergen und noch weiter unten die bescheuert nervigen Autobahnen und die formvollendeten Industrie und Hochhausbauten der Städte am Rhein prall gelben abgemähten Felder und Obstgärten der Ebene UND, das ist das Wunder klarer Tage, wir sahen die Pfälzer und Elsässer Berge auf der linksrheinischen Seite der Ebene. Klar und deutlich – gen Norden bis zum Donnersberg und weiter Richtung Mainz, gen Süden die Pfälzer Haardt mit Kalmit und Weinbiet und weiter südlich das Elsass und unsere geliebten Vogesenberge. Andächtig starrten wir hinüber ins Paradies, das sich zu dieser Jahreszeit nur mit wenigen Reisezielen toppen lässt.
„War da nicht mal etwas mit einer Recherche, die du für ein Projekt noch machen musstest“, fragte Herr Federwelt. Komisch, genau an diese längst abgehakte und vergessene Schreibsache hatte ich gerade auch gedacht und ich nickte eifrig. „Ja, demnächst müsste ich da dringend mal hin.“ Ich wurde nicht mal rot beim Schwindeln. „Ganz dringend sogar.“ „Wann? Morgen?“ „Könnte sein.“ Wird sein. Morgen fahren wir für ein paar Tage ins Paradies in ein wunderschönes Vogesental unweit der elsässischen Weinstraße. Zum Recherchieren für obig genanntes bereits abgeschlossenes Projekt … öhhhm … Pssst!
Was ist eigentlich die Steigerung von „verrückt“?
Bist du verrückt?
Das hat mich eine Bekannte heute gefragt, nachdem ich etwas nörgelig bekannte, dass ich mich derzeit etwas faul fühle. Dann hat sie begonnen aufzuzählen, was ihres Wissen (Pssssst! Sie weiß nicht mal die Hälfte dessen, was war und ist und so) dieses Jahr im Hause Federwelt bereits sich erreignet hat und was arbeitsmäßig und anderweitig geleistet wurde. Stumm hörte ich zu und staunte, nickte brav und dachte an neue Ideen und noch abzubauende Hürden. Der Tag ist einfach zu kurz, vor allem für die Ideen. Und ja, ich bin verrückt. Aber seit heute auch ein kleines bisschen stolz, denn vieles dessen, was bereits getan und „überlebt“ wurde, war mir gar nicht (mehr) bewusst. Ja, ich darf stolz sein. Ob ich mir bei dieser Bilanz ein kleines Sofa-Schläfchen leisten kann? Eigentlich wollte ich jetzt doch dieses „Dingens“ tun und jenes „Gedankenblitziges“ gerade eben mal aufnotieren. Zu erzählen hätte ich auch noch so einiges und zu vielen Nostalgieeinträgen in meinen Lieblingsblogs würde ich auch gerade vieles sagen und ergänzen wollen und, ja, und da sind sie auch schon wieder, weitere neue Ideen und …
Und?
Ja, es ist ganz schön stressig, verrückt zu sein.
Fazit: Stop! Ruhe! Tacet! Sofa-Schläfchen! Aber dalli!
Diesen heutigen Tag vermisse ich und vermisse ihn nicht. Zweideutig. Er ist mir irgendwie abhanden gekommen und es stört mich überhaupt nicht, denn noch so einen Tag muss ich nicht unbedingt haben. Es war so ein NullNichtsTag, der an mir vorbeiraste, seine Spuren hinterließ und irgendwie den Anschein erweckte und erweckt, seinen Weg auf einer nebeligen Straße in Richtung NullNichts zu dümpeln. Ich hinke ihm hinter, beschließe aber, ihm, diesem Tag ein Ende zu setzen und den Abend einzuläuten.
Es muss sie auch geben, jene NullNichtstage … und du, innerer Schweinehund oder schlechtes Gewissen oder kleiner Zensor oder wie immer du dich heute nennen möchtest, halte einfach auch einmal nullnichtsmäßig den Rand. Geht das? Danke.
Heute Abend ein weiteres Sahnestückchen meiner neu entdeckten Lieblingskrimiautorin Fred Vargas im ZDF. „Der vierzehnte Stein.“ Noch knapp 100 Seiten muss ich lesen und will das fertig haben bis heute Abend, ja, und ich bin sehr gespannt, wie diese komplexe Handlung mit all den herrlich schrulligen Charakteren und dem zauberhaft französischen Ambiente (ein Muss für alle Francophilen) filmisch ungesetzt wird. Wahrscheinlich werde ich enttäuscht sein, aber ich denke positiv. Jawohl.
Und nun wissen Sie, sollte mich jemand unerwarteterweise hier vermissen, womit ich heute diesen ersten Nichtsonnentag verbringe. Mit der Nase im Buch. Und mehr verrate ich nicht, denn offen gesagt, mir ist bis jetzt noch nicht klar, wie Kommissar Adamsberg einen seit 16 Jahren toten, nach seiner Theorie aber immer noch agierenden Serienmörder, fassen wird und wie er sich selbst aus dem Schlamassel, in das er geraten ist … Halt! Nein. Ich will nicht zu viel verraten. Drücken Sie mir die Daumen, dass man die Rolle der alten, tatterigen Dame Josette, die sich als Hackerin erster Güte erweisen wird, nicht gestrichen hat. Ich liebe diese kleine, zarte, alte Madame.
Au revoir et à bientot
Danke, Herbst! Du hast uns – zumindest hier im Südwesten – in den letzten Wochen sehr mit warmen Sonnenstrahlen umschmeichelt und verwöhnt, ja, und du hast uns damit mit dem lausigen Schwülwolkensommer versöhnt. Auch heute lacht die Sonne, vom Wind etwas mehr zerrupft als sonst, golden vom Himmel. Es sind Zaubertage, die sie uns beschert.
Ein Zaubertag im Herbst
Denkt nur, jemand hat heute Nacht
einen Teppich gewebt übers Land
aus silbernen Fäden in glänzender Pracht,
geschaffen von Meisterhand.
Verzaubert glitzert der Morgentau
mit dem Sonnenlicht um die Wette,
ein Glänzen und Funkeln, so silbergrau
wie Perlen auf einer Kette.
Der Sonne macht dieses Spiel Freude.
Sie strahlt mit all ihrer Kraft.
Einen warmen Tag schenkt sie uns heute.
Sie hat es noch einmal geschafft.
Und der Sommer? Er lacht.
Ist er doch über Nacht
heimlich zurückgekommen
und hat das Zepter noch einmal ganz sacht
dem Herbst aus den Händen genommen.
Und während ich versuche, sie in Worten zu malen, diese Zeit, kündigt Wind von Westen mit ersten silberweißen Wolkenflimmerschleiern leise das Ende dieses ruhigen Altweibersommers an. Oder droht er nur, der Wind? Schaut er kurz mal vorbei, um den Nüssen, Eicheln, Bucheckern und Kastanien zu helfen, in ganzen Kaskaden von den Bäumen zu plumpsen und gezielt auf den Köpfen der Wochenendwanderer zu landen?
Man wird sehen.
Haben Sie Zeit an diesem ersten Oktoberwochenende? Und haben Sie Lust zur Teilnahme an der „Aktion Kastanienzauber“? Ja, und mögen Sie sie auch nicht leiden, jene dunklen, tristen Herbstdepressionstage? Ja?
Dann hören Sie gut zu:
Begeben Sie sich in den nächsten Tagen nach draußen, ziehen Sie nicht über Los, nehmen Sie nicht 1000 Euro ein, gehen Sie ins … halt, das ist eine andere Geschichte.
Also nochmals von vorn. Gehen Sie mit offenen Augen durch die Natur und sammeln Sie: Kastanien (Rosskastanien oder Maronen, egal) und suchen Sie sich davon die schönsten Exemplare (das sind diejenigen, bei deren Betrachtung Sie das Gefühl haben, sie zwinkerten Ihnen leise zu) aus und stecken Sie jeweils eines davon in die Tasche Ihrer Winterjacke, des Wintermantels, des Regencapes, des Anoraks oder was sonst Sie im Winter noch zum Schutz gegen die Schmuddelkälte zu tragen pflegen. Tragen Sie dieses „Einstecksel“, nennen wir es „die Zauberkastanie“, den ganzen Herbst und Winter mit sich. Jedes Mal, wenn Sie sich traurig oder übellaunig oder herbstdepressiv fühlen, fassen Sie ganz schnell die Zauberkastanie an, streicheln Sie über ihre glatte, samtweiche Haut und denken Sie an besonders tristen und kalten Tagen dabei an den warmen, goldenen Herbst … UND an die bald wieder kommenden warmen Frühlingstage. Denken Sie an Sonne, Wärme Licht! Lassen Sie sich von Ihrer Zauberkastanie (es darf auch eine Zaubernuss sein) bei jedem Gang nach draußen begleiten und etwas Wärme wird mit Ihnen sein. Und Erinnerungen. Und Vorfreude auf die Sonne, Wärme und den hellen Lichtzauber des kommenden Jahres.
Eines Tages dann, wenn Sie sich – so gegen Mitte März oder so – so richtig „frühlinglich“ gut fühlen, gehen Sie mit ihrer Zauberkastanie an einen Ort, den Sie besonders gerne besuchen. Nehmen Sie die Kastanie, streicheln Sie ihr noch einmal ganz zart über ihre nun nicht mehr ganz so glatte Schale (Sie dürfen sie auch küssen) und dann, ja, und dann werfen Sie sie mit einem Schwung weit in den Frühling hinaus. Und vielleicht, ja, vielleicht endet dieser Zauber damit, dass Sie später, so gegen Ende des nächsten Sommers, ein klitzekleines Kastanienbäumchen irgendwo dort, wo Ihre Kastanie gelandet sein mag, finden werden.
Zaubern Sie mit?
Ich geh dann mal. Kastanien sammeln
Der genervte Horror – Tage wie dieser
Heute ist so einer dieser Tage, an denen nichts, aber auch gar nichts geht.
Konzentrieren? Fehlanzeige.
Arbeiten? Ein Fehler nach dem anderen. Also auch Fehl(er)anzeige.
Kommunizieren? Bäh. Knodderkopf trifft auf Knodderkopf, die Mienen sind grimmig, die Stimmen knurrig, die Nerven liegen blank. Also auch nichts.
Ab nach Hause. Ein bisschen aufräumen, ein bisschen kochen, ein bisschen entspannen, ein bisschen frische Luft tanken. Aber auch hier: Nichts!
Der Kopf bleibt matschig, der Lustfaktor, irgendetwas Sinnvolles zu tun, hängt unter der Kniekehle, das neue Buch ist langweilig, das Essen verkocht, der Kaffee schal, das Haus – aufräumungstechnisch – ein schier nicht zu bewältigendes Chaos (ob ich mal eben rasch einen Riesenabfallcontainer bestellen oder gleich ganz umziehen soll?), der …
Nein, ich mag nicht weiterreden. Ich mag nicht denken. Ich wünsch mir nur eines: Dieser Tag möge doch nun ganz rasch zu Ende gehen.
Oder?

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