Du durchsuchst gerade das Monatsarchiv für den Februar 2010.

Nein, ich bin keine lausige Bloggerin. Und Ja, ich würde für mein Leben gerne mehr Konstanz in mein Blog bringen. Allein, die Wellen des Lebens, jene Aufs und Abs, die zuweilen die Seele aufzufressen drohen, halten die Finger auf der Tastatur steif, gefesselt vom Warnschild „Achtung! Privat!“. Dabei würde es der Seele gerade gut tun, sich das Belastende von ihr, von der Seele eben, zu schreiben. Und wie gut. Aber … es wäre … Seelenstriptease und ich bin prüde. Nur eines sei festzuhalten: Wenn hier zuweilen Ruhe herrscht, so hat das alleine mit einem Ereignis vor knapp 4 Jahren zu tun. Einem unverschuldeten Autounfall, dessen Folgen die Federwelt gesundheitlich, wirtschaftlich, finanziell, beruflich, gesellschaftlich auf den Kopf gestellt haben und und es immer noch tun. Und momentan stehen wir gerade wieder senkrecht auf dem Kopf. Wegen eben dieser Folgen und der nicht zahlen wollenden Versicherungen und der Unfairness im Miteinander jeglicher Art. Wir stehen sogar ziemlich ratlos und die Welt – und die Gerechtigkeit  (gibt es die?) – nicht mehr verstehend auf dem Kopf und hangeln mit Armen und Beinen, um irgendwie wieder mal auf die Füße zu kommen. Und so lange wir derart hangeln, schweigt die Federwelt mal wieder, obwohl sie mir so sehr fehlt.

Und warum schreibe ich das überhaupt, wenn ich „zu privat“ nicht schreiben möchte?

Stichworte wären, da aktuell in der medialen Diskussion: Alkoholfahrten am Steuer, auch Restalkohol, und die Versuche, jene zu entschuldigen bzw. sich mit Ausflüchten zu winden.

Wer, zum Teufel, aber denkt an die Opfer und deren Tränen?

Fragt

… leise und bescheiden …

ein Opfer …

Und Prosit!

Manchmal frage ich mich, ob ich nicht alles, aber wirklich alles, was seit jenem Tag x mit uns geschah, nicht doch aufschreiben soll. Ganz ohne Diskretion. Und ganz laut und öffentlich. Vielleicht fühlte ich mich dann nicht mehr ganz so sehr als lausiges Opfer …

Es flattert. Draußen, gepaart mit Zwitschen und Tirilieren und Frühlingen und, schööön einfach. Drinnen im Kopf flattern die Worte. Auch sie zwitschern, tirilieren, frühlingen und wiegen sich im tanzenden Wortchaosreigen. Und ich, ich flattere ihnen hinterher, will sie einfangen, doch sie lassen sich nicht greifen, sind schneller.

Hallo Frühling, es fühlt sich wundervoll an, dass du nun leise ins Land herein regentröpfelst flatterst. Ich freue mich. Nur, verrat mir, verehrter Herr Frühling, warum macht mich dein Flattern so mü-ü-ü-de …?

Alle Bücher sind aus Wörtern gemacht, aber meistens aus Wörtern, die herumflattern und das Denken anregen.
Virginia Woolf

Angeregt denke ich auch über Venedig nach und bin gerade auch hier sehr flatterhaft, was den Fortgang oder einen gnädigen Schluss betrifft.

Ich geh mal noch ein bisschen in mich flattern.

Wer kommt mit?

Na denn, fabulieren wir weiter:

————————————

Als ich die Augen wieder öffnete, glaubte ich fest daran, zuhause in meinem Bett aufzuwachen … aber wieso um alles in der Welt lag ich in sexy nach Mann duftenden, weichen Armen und blickte in besorgte hellblau strahlende Augen?

Ich stöhnte. Es musste ein Albtraum sein, doch die Stimme, die leise auf mich einsprach, sie war echt.
„Ganz ruhig, Liebling. Es ist alles in Ordnung. Ich bin bei dir.“
„Wie schön“, murmelte ich wie in Trance. „Was kann mir Besseres passieren? … Ehem … Wie war noch mal Ihr Name?“
„Weimer. Lukas Weimer, Frau Kollegin. Und wie ich sehe, scheint es dir … pardon, Ihnen, wieder etwas besser zu gehen?“
„Bestens.“ Ich richtete mich stöhnend auf. „Wenn Sie nun noch die Güte hätten, mich nicht länger wie einen Säugling in den Armen zu halten, fühlte ich mich wie im Himmel auf Erden.“
Er grinste, und ein Grübchen tanzte in seinem Kinn. „Mir scheint, Sie haben ihr kleines Abenteuer wirklich schadlos überstanden.“
„Grrr …“, fauchte ich. „Wie … was … ach, Kollegen sind wir? Wieso weiß ich nichts davon?“
Ein vielstimmiges Gelächter war die Antwort, und erst jetzt erblickte ich die vielen fremden Köpfe, die sich besorgt zu mir herabneigten und mich begutachteten.“
„Una grappa”, hörte ich eine Frauenstimme fröhlich jubeln. „Hier, Luca, una grappa für deine hübsche Freundin. Er wird ihr wieder auf die Beine helfen.”
Schon hielt mir eine dralle, italienische Mamma ein Glas Grappa vor die Nase, und ihr strenger Blick signalisierte, dass sie erst von mir ablassen würde, wenn ich das Glas geleert hätte.
Todesmutig kippte ich das scharfe Gesöff hinunter und spürte, wie es warm durch meine Kehle floss und das schummerige Gefühl im Magen verdrängte.
„Bravissimo!“ Mein Publikum klatschte Beifall, und ‚Mamma’ schenkte mein Glas ein zweites Mal voll. „Alla salute!“
„Alla salute“, krächzte ich und hob grinsend das Glas.
„Salute“, antwortete es im Chor, und ich sah, wie meine neugierig besorgten Helfer ebenfalls feucht-fröhlich ihr Gläschen kippten.
Also, in einer Klinik konnte ich mich nicht befinden, schlussfolgerte ich messerscharf, und als ‚Mamma’ wieder die Flasche herumreichte, erinnerte ich mich an die kleine, helle Trattoria, vor deren Eingang meine Flucht ihr abruptes Ende genommen hatte.
Noch immer in den Armen jenes mir völlig unbekannten Lukas Wiemer, der hier allgemein als Luca bekannt zu sein schien, kippte also auch ich meinen zweiten Grappa in mich hinein und fühlte mich endlich wieder in der Lage, mich aus den Armen meines Helfers zu befreien.
„Schade“, meinte er bedauernd. „Du fühlst dich in meinen Armen so himmlisch weich an!“ Er sah mich mit einem Blick an, der meine letzten Widerstand zum Schmelzen brachte. Diesem Charme war ich – im Augenblick zumindest – nicht länger gewachsen.

…..

Jetzt bleiben mehrere Möglichkeiten:

1. Die Heldin spinnt oder sie leidet unter einer alkoholgeschwängerten Amnesie – der Beginn einer heiteren Klamotte

2. Mara und Lukas spielen schon den ganzen Tag Katz und Maus, sozusagen ein Liebesritual alle Jahre wieder – eine Liebesgeschichte

3. Wir befinden uns im Handlungsstrang eines höchst mysteriösen Kriminalfalles – ein Blutthriller, wow, und extrem nach viel Arbeit riechend, die diesen Blog bis Jahresende füllen könnte! Oh!

4. Schlicht und simpel: Heldin Mara wacht nun endgültig auf, im Krankenhaus, in das man sie nach ihrem Skiunfall (sie war auf Fastnachtsflucht und mitnichten in Venezia) eingeliefert hatte, und sieht in Halbtrance weiß vermummte Gestalten (die geschätzen Ärzte und Schwestern), die ihr im Traum als venezianische Masken gedient haben. Allein, dieser Schluss wäre mehr als banal. Auch Oh!

5. Ein besserer Vorschlag (oder noch besser eine Mitarbeit) einer meiner geschätzten Leser …

…..

Fazit: Es liegt an Euch, wie’s nun weiter geht … oder ob die Farce hier ihr Ende haben sollte.

Arrividerci

Stöhnend ließ mein Möchtegern-Verführer für eine Schrecksekunde von mir ab – und ich rannte los. Raus aus dieser finsteren Sackgasse. Weg, nur weg aus diesem einsamen Teil der Stadt, der, so nahe bei den Touristenzentren, doch nur Insidern bekannt zu sein schien.
Hinter mir konnte ich Alecchinos Schritte hören. Er stöhnte, schien dennoch in der Lage zu sein, mir zu folgen.
Ich begann zu rennen wie nie zuvor in meinem Leben: treppauf, treppab über schmale Brücken und durch gewundene Gassen an weiteren Kanälen entlang, bog in eine neue Gasse ein, hinter der ich – den Lichtern am Himmel folgend – den Canale Grande vermutete, und rannte und rannte. Ich kam zu einer kleinen, dunklen Piazza mit einer schäbigen Kirche und einem überdachten Brunnen, umgeben von noch schäbigeren Häusern und rannte weiter, bis mich das Seitenstechen zum Anhalten zwang. Mein Hals schmerzte vom hektischen Atmen, Sterne tanzten vor meinen Augen, und ich sah mich einer gnädigen Ohnmacht entgegen fallen.
Da, wieder Schritte in der Seitengasse nebenan. Alecchino? Und weiter vorne: Hörte ich dort nicht Stimmen? Gar nicht weit entfernt?
Ich atmete tief durch und rannte weiter – auf die Stimmen zu, über eine Brücke, eine schmale Gasse entlang und bog um eine Ecke, wo mir das helle Licht einer kleinen, verwunschenen Trattoria rettend entgegen leuchtete. Fast, als weilte ich bereits in einer anderen Welt, war mir, als hörte ich Engelsmusik erklingen. Dann wurde es schwarz um mich herum, und auch die Musik verstummte.
Dies konnte doch alles nur ein böser Traum sein?

???

Selten zeigst du

der Welt dein Gesicht.

Dein Lächeln hinter der Maske,

das sieht man nicht.

Man erahnt es jedoch, zuweilen,

zwischen den Zeilen.

Noch’n bisschen?

Noch Lesegeduld?

Noch Schreiblust?

Okay. Versuchen wir’s.

TEIL 3

———

Alecchino erwies sich als ein Glücksgriff. Ohne ihn hätte ich mich nie so ungezwungen inmitten der feiernden Menschen bewegt und ich war froh, ihm so bald begegnet zu sein.
Hoffentlich, dachte ich, verbarg sich hinter seiner pfiffigen Maske kein Typ der Marke ‚Staubsaugervertreter’, der sich einmal im Jahr ein erotisches Abenteuer gönnte. Und hoffentlich sah er einigermaßen passabel aus, damit mir meine Freunde, die mich auch dieses Mal sicher wieder mit einem ihrer Favoriten verkuppeln wollten und denen ich Alecchino später als Venezia-Lover zu präsentieren gedachte, nicht glaubten, ich litte unter Geschmacksverirrung. Immerhin machte er eine gute Figur, war schlank und gut gebaut – und im Nacken lugten verführerisch blauschwarze Prachtlocken hervor. Das musste genügen für eine nette, unvorhergesehene Überraschung. Galt nun nur, Signore Alecchino bei der Stange zu halten und ihn nicht mehr von meiner Seite zu lassen, bis wie uns am Abend mit meinen Freunden trafen.
Letzteres waren Sorgen, die ich mir nicht machen musste. Mein Begleiter wich nicht von meiner Seite.
„Siehste, alte Unke“, murmelte ich mir Mut zusprechend zu. „Du hast es nicht verlernt, einen Typen aufzureißen.“
Ich war sehr zufrieden mit mir.
Schunkelnd verließen wir den Markusplatz und ließen uns in das Gewirr der engen Kanäle und Seitengassen in Richtung Rialtobrücke treiben. An Ecken, in dunklen Toreingängen, überall standen Masken. Sie starrten uns reglos an oder versuchten, uns zu sich heranzuziehen. Sie deuteten Küsse an, riefen uns irgendwelche anzügliche Worte zu, die ich nicht verstand und die mit lautem Lachen quittiert wurden oder liefen singend, keuchend, heulend neben uns her.
Wir lachten und Alecchino nahm mich bei der Hand, zog mich weiter durch enge Gassen, an schmalen Kanälen und verfallen wirkenden Häusern vorbei, treppauf, treppab über Brücken und kleine Campi immer tiefer in die Enge der Stadt hinein. Der Rummel ließ allmählich nach, und wir begegneten nur noch wenigen Masken und noch weniger Touristen.
Das war nicht mehr das Venedig, das ich kannte. Aber im zunehmenden Dämmerlicht fühlte ich mich verzaubert an einen magischen Ort. Ich nickte den wenigen Leuten, die uns hier begegneten, zu. Manche nickten zurück, andere starrten uns nur an, zwei Männer riefen etwas hinter uns her und ihr Gelächter, das in den engen Gassen zwischen den Häusern, die durch ihre schiefe Bauweise nach oben hin fast den Himmel abschnürten, lange nachhallte.
Auf einmal waren wir alleine – Alecchino und ich in einer Sackgasse, umgeben von hohen, alten Häusern und dem brackig riechenden Wasser des kleinen Kanals zu unserer Rechten. Den Lärm des Carnevale hörten wir hier nur wie von weit weg, seltsam verhallend.
„Wo sind wir hier?“ Eine plötzliche Furcht ließ meine Knie weich werden, das Herz schlug mir bis zum Halse. „Ich glaube, wir haben uns verlaufen.“
Alecchino schüttelte schweigend den Kopf. Er umfasste meine Schultern und schob mich auf einen Toreingang, der mir wie ein dunkler, gefräßiger Schlund erschien, zu.
Was sollte das? Schwebte meinem Begleiter etwa eine kleine Verführungsszene vor oder hatte ich mir unter all den vielen tausend Masken und mehr ausgerechnet den „Little-Jack-the-Ripper-of-Venice“ ausgewählt?
Ich spürte, wie die Angst immer mehr von mir Besitz ergriff. Nein, ich durfte jetzt nicht schlapp machen. Ich, Mara Bergmann, würde mich doch nicht von einem albernen Narren übertölpeln lassen? Halt suchend klammerte ich mich an einen Laternenpfahl und versuchte mich daran zu erinnern, was ich in jenem Selbstverteidigungskurs damals gelernt hatte.
Keine Angst zeigen, die erste Regel.
„Hey, was soll das?“, herrschte ich meinen liebestollen Begleiter an. „Mach die Fliege, du Narrensalami?“
Alecchino presste seinen schweren Körper gegen meinen.
Nicht zurückweichen, zweite Selbstverteidigungsregel, schoss es durch meinen Kopf, und ich gab seinem Drängen für den Anschein einer Sekunde nach.
„O bella“, grunzte Alecchino und grabschte nach meinen Brüsten.
„O pauvre bello“, schrie ich, hob mein rechtes Knie und traf – genau an der richtigen Stelle…
….
Und die Moral von der Geschicht: Trau einer heit’ren Maske nicht .
…..
Und wie komme ich nun aus dieser Nummer wieder heraus?
Das passiert, wenn man aus dem Bauch heraus aus Lust und Laune einfach los schreibt.
Endlich hatten wir den Bootssteg meines Hotels erreicht. Wie bei den meisten Palazzi wirkte der Eingang wenig einladend, doch im Innern spiegelte das Hotel, das dereinst Persönlichkeiten wie Richard Strauss und Winston Churchill beherbergt hatte, mit seiner noblen Ausstattung den Glanz längst vergangener Epochen wider. Welch eine Pracht!
Verzückt sah ich mich um und hätte mich in der vielfarbigen Herrlichkeit verloren, doch die junge Dame an der Rezeption brachte mich mit einem diskreten Hüsteln in die Wirklichkeit zurück.
„Scusi, Signora Bergmann?“, begrüßte sie mich und reichte mir diskret eine Fax-Nachricht.
„Liebe Mara, es tut uns schrecklich Leid, doch wir stecken noch in Cortina fest. Motorschaden. Wir tun alles, um heute noch von hier wegzukommen, doch es kann spät werden heute Abend. Nicht böse sein – und amüsiere dich gut! Schließlich ist nur einmal im Jahr Carnevale. Bussi und auf bald, deine Judith, Pia, Markus und Karl-Heinz.
PS: Nicht vergessen: Carnevale ist die Zeit der Liebe.“
„Oha! Ihr Verräter!“ Ich musste grinsen. „Wolltet ihr mich wieder einmal verkuppeln? Das habt ihr gut eingefädelt, ihr Lieben! Doch wie heißt es so treffend: Carpe diem!“
Ich beeilte mich, auf mein Zimmer zu kommen, um mich in einen feierfreudigen Vamp auf Männerfang zu verwandeln.
Während ich mich umzog, musterte ich mich prüfend im Spiegel: Mit den in schwarzen, seidig glänzenden Leggins steckenden Beinen, dem schwarzen Seidenshirt und dem zu einem frechen Pferdeschwanz gebundenen dunkelblonden Haar konnte ich mich sehen lassen. Noch ein wenig Schminke zur Betonung der Augen und Wangenknochen, etwas Lippgloss, dann die weiße Maske, der schwarze Casanovahut nebst passendem Umhang. Schon hatte ich aus der grauen, misslaunigen Arbeitsmaus eine flott freche Karnevalistin gezaubert.
Ich steckte mir ein wenig Geld ein und wirbelte summend aus dem Hotel.
Übermütig winkte ich einem bunten, groß gewachsenen Alecchino zu, der auf der Gasse, die zum Markusplatz führte, seine Possen trieb, und näherte mich einer vornehm blickenden Rokoko-Gruppe. Der Alecchino trippelte mir hinterher, umfasste mich an der Taille und wir tanzten albern lachend und gestikulierend weiter zur Piazza San Marco.
Aus allen Gassen ringsum strömten bunt faszinierende, dämonisch grausige oder adelig vornehme Gestalten auf den Platz und vereinten sich hier zu einem ausgelassenen Treiben – zum eigenen Vergnügen ebenso wie zur Inszenierung für die Touristen, die die Szenerie noch mehr bevölkerten. Aus allen Richtungen zielten und klickten ihre Fotoapparate, surrten die Videokameras.
Ich fühlte mich längst nicht mehr als Touristin und ließ mich nur zu gerne von dem netten Alecchino, der einen Narren an mir gefressen zu haben schien, über die Piazza locken. Wir tanzten, lachten, narrten einander, tobten durch die Menge und spielten mit beim großen Spettacolo de Carnevale.

— Oh, was bahnt sich da bloß an? Was stelle ich da bloß mit meiner armen Heldin an? -

Froher Faschingssonntag vom ImmerNochSchulterVerzerrtHalbkrankDiwanLager

:)


Venedig im Februar? Nur ein Geisteskranker käme auf die Idee, zu dieser ungastlichen Jahreszeit – noch dazu zur Zeit des Carnevale – in diese Stadt zu reisen. Und nun lag mir dieses Venedigwochenende wie Blei im Magen. Doch als der Zug endlich über die Lagune fuhr, verspürte ich dennoch so etwas wie Faszination. Ich trat ans Fenster, blickte auf das blaue Wasser, das unter der Nachmittagssonne geheimnisvoll funkelte, starrte auf die Dächer und vergoldeten Kuppeln der Stadt, die sich langsam aus dem Dunst schälten. Ein magisch betörendes Bild, das Venedig mir zur Begrüßung bot.
Als ich wenig später aus dem schattigen Bahnhof trat, kam sie dann doch, die leise Freude über diese unerwartete Reise. Der Anblick des im Licht der Sonnenstrahlen gleißenden Canale Grande mit der gegenüber liegenden romantischen Fassade der Kirche San Simeone Piccolo nahm mir regelrecht den Atem. Staunend schritt ich die Treppe zum Wasser hinab und nannte dem Fahrer des Boottaxis den Namen meines Hotels.
Mein Herz klopfte eigentümlich, während das Bootstaxi langsam durch den Canale Grande tuckerte. Um mich abzulenken, sah ich mir die bröckelnden Fassaden in blassen Rot-, Blau-, Gelb- und Weißtönen und die filigran verzierten Balkone der an mir vorbei gleitenden Palazzi an, lugte in kleine, versteckte Kanäle, die sich, von Bogenbrücken überspannt, in geheimnisvollem Dunkel verloren.
Und überall, auf den Gassen und Brücken, entlang der Kanäle und in den Booten, sah ich sie, Gespenstern gleich: die Masken des Carnevale. Es waren unheimlich anmutende weiße Masken, deren Träger in tiefes Schwarz gehüllt waren, historische, graziöse, dämonische, bunte, lustige Gestalten und immer wieder die beliebten Figuren der Comedia dell Arte, der Alecchino, die Colombina und die Pulcinella. Einige standen da wie Denkmäler, andere liefen in buntem Treiben umher, gafften, rempelten, schrieen, lachten …
Es herrschte eine so mystische Atmosphäre, dass ich selbst nicht mehr wusste, ob es sich bei jenen Wesen um verkleidete Menschen handelte oder um Gespenster. Fast war ich mir sicher, dass ich einige von Venedigs echten Gespenstern für wirkliche Menschen hielt. Gespenster, die mir zunickten und deren Gruß ich wie mechanisch erwiderte.

… Ende Teil 1, Fortsetzung? Mal sehen …

Und es rieseln leise wieder

munter weiße Flocken nieder

auf das Land in voller Pracht,

schneit es schon die ganze Nacht.

Und die Stadt zeigt sich verschneit

sauber weiß im Fastnachtskleid.

Laut ruft da der Schneemann: “Leut!

Ich bin die schönste Maske heut.”

Pssst! Hört man da ein leises Klagen?

Leute, nein, da lasst euch sagen.

Mögt Ihr Schnee heut auch nicht leiden:

Jeder darf als Narr sich kleiden.

Und der Winter schmunzelt leise:

“Jeder ‘narrt’ auf seine Weise!“

Ja, eben mal kurz weg wollte ich sein … und eigentlich bin ich da,  geh aber gleich wieder. Und alles wegen der Ordnung. Vor dem Haus nämlich steht ein riesengroßer Container, der gefüllt werden will mit all dem Krams, der sich über Jahre in allen Ecken angesammelt hat. Riesengroß ist auch die Beule an meinem immer wieder heiklen Skifahrerknie am Knie und noch schmerzhafter die geprellte Schulter – beides beim Rümpeln und Dümpeln und Fallen und mit vollen Armen die Treppe runterknallen hinunter fallen zugezogen. Und nun geht gerade gar nichts, dabei hätte ich so viele nette kleine Anekdoten zu erzählen. Mit einem nervigen anerkannten SpermüllJäger  und Sammler zu rümpeln, ja, das ist nämlich ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Ich werde berichten, aber momentan tut das Tippen einfach … noch … viel … zu … weh …

Und wer füllt nun den Container?

Mit einem Augenzwinkern

Authentisch sein - diese Freiheit nehme ich mir. Hier ist alles echt ...

 

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